#264 „Lern doch einfach!“ Warum dieser Satz bei Azubis nicht funktioniert
„Du musst mehr lernen.“
Klingt logisch. Ist aber ziemlich nutzlos, wenn ein junger Mensch nie gelernt hat, wie Lernen eigentlich funktioniert.
Genau darüber spreche ich in dieser Folge mit Patrik Rappo von BRAINY aus der Schweiz.
Patrik kennt das Thema aus einer sehr persönlichen Perspektive. In der Schule gehörte er selbst nicht zu den Stärksten. Heute beschäftigt er sich intensiv damit, wie Kinder, Jugendliche, Lernende und Erwachsene Wissen tatsächlich aufbauen können.
Und damit landen wir mitten in einem Problem, das auch viele Ausbildungsbetriebe betrifft:
Wir erwarten Selbstorganisation, Lernbereitschaft, Planung und Eigenverantwortung. Gleichzeitig setzen wir häufig voraus, dass junge Menschen diese Fähigkeiten einfach mitbringen.
Aber wo sollen sie diese eigentlich gelernt haben?
Patrik arbeitet deshalb unter anderem mit Lernstrukturen, Lernplanung und konkreten Lerntechniken. Statt zwei Tage vor einer Prüfung möglichst viel Wissen in den Kopf zu pressen, lernen Jugendliche beispielsweise, eine Prüfung über mehrere Wochen vorzubereiten und Lernzeiten bewusst einzuplanen.
Doch unser Gespräch geht noch deutlich weiter.
Wir sprechen über Berufsorientierung und Berufswahl und darüber, warum Schulnoten vielleicht viel weniger darüber aussagen, welcher Beruf zu einem jungen Menschen passt, als wir denken.
Ist jemand kreativ? Handwerklich? Detailverliebt? Technisch? Kommunikativ? Braucht jemand viele Menschen um sich herum oder fühlt er sich in einem kleinen Betrieb wohler?
Vielleicht sollten wir Jugendlichen nicht zuerst die Frage stellen:
„Welchen Beruf willst du machen?“
Sondern:
„Welche Art von Arbeit passt eigentlich zu dir?“
Und dann wird es durchaus unbequem.
Denn auch Unternehmen bekommen in dieser Folge ihren Teil ab.
Wenn ein Azubi praktisch hervorragend arbeitet, aber Schwierigkeiten in der Berufsschule hat, können wir als Betrieb natürlich sagen:
„Schule ist dein Problem.“
Oder wir verstehen Ausbildung tatsächlich als Entwicklung und überlegen, wie wir diesen jungen Menschen unterstützen können.
Patrik formuliert dazu einen Gedanken, der sehr gut zu OnTeamz passt:
Wir bilden junge Menschen nicht nur aus. Wir entwickeln und fördern sie.
Genau deshalb sprechen wir auch über Lehrabbrüche, unbesetzte Ausbildungsplätze, die Attraktivität von Ausbildungsberufen und die berühmte Generation Z.
Denn vielleicht ist diese Generation gar nicht so faul und arbeitsunwillig, wie ihr gerne vorgeworfen wird.
Vielleicht will sie einfach stärker verstehen, warum sie etwas tut.
Und vielleicht steckt darin sogar eine ihrer größten Stärken.
Patrik erlebt junge Menschen als ideenreich, experimentierfreudig und innovativ. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, wie wir sie wieder so bekommen wie frühere Generationen.
Die spannendere Frage lautet:
Wie gestalten wir Ausbildung so, dass ihre Stärken tatsächlich zum Vorschein kommen?
Darüber sprechen wir in dieser Folge von OnTeamz, dem Ausbildungspodcast.
Das erwartet dich in dieser Folge
Du erfährst unter anderem:
• warum „Lern doch einfach mehr“ keine Lernstrategie ist
• wie Azubis sinnvolle Lernstrukturen entwickeln können
• warum kurzfristiges Lernen vor Prüfungen häufig nicht nachhaltig funktioniert
• weshalb Lernkompetenz auch Zeitmanagement und Selbstorganisation bedeutet
• was LEGO und Klemmbausteine über Fähigkeiten und Interessen verraten können
• warum Schulnoten bei der Berufsorientierung nicht alles entscheiden sollten
• weshalb Jugendliche nicht sofort den perfekten Beruf, aber zumindest die richtige Richtung finden sollten
• warum Ausbildungsbetriebe auch bei Problemen in der Berufsschule Verantwortung übernehmen können
• weshalb Sinnhaftigkeit für junge Menschen in der Ausbildung eine wichtige Rolle spielt
• warum Generation Z möglicherweise deutlich innovativer ist als ihr Ruf
• wie Unternehmen Ausbildungsabbrüche und unbesetzte Lehrstellen anders betrachten können
• warum Ausbildung mehr sein sollte als die Vermittlung fachlicher Fähigkei